…ein halbes Jahr später…

Ihr Lieben,

jetzt bin ich seit genau einem halben Jahr wieder in Deutschland (den Urlaub im August zähle ich mal gerade nicht dazu) und es folgt ein 18. Beitrag in meinem Mog-Blog.(wahrscheinlich wird es immer weitergehen!)

Ich komme gerade heim von dem Nachbereitungsseminar in Hamburg. Wir haben uns mit den Teamern, also dem Vorstand von MOG, Christoph, Magdalena und den Projektleitungen noch einmal für 4 Tage in Schwarzenberg auf Gut Lanken getroffen und unser Jahr evaluiert.
Ich steige aus dem Zug aus und werde mit Jose von Lena, Joshi und Robert überrannt vor Freude. Diese herzlichen Umarmungen, das ehrliche Lachen und von 0 auf 100 im Gespräch auf einer Wellenlänge zu sein, glaube ich, erlebe ich nur mit MOG, den wundervollen Musikern ohne Grenzen, die ich in meinem Herzen trage. Es ist unglaublich schön wieder vereint zu sein, plötzlich merkt man wieder wie alleine man doch in seiner Stadt zuhause war. Dass wir uns teilweise zwischen dem Seminar vor dem Auslandsaufenthalt und jetzt nur ein Mal gesehen haben (bei Schülerkonzerten oder Besuchen ins andere Projekt) beachtet irgendwie niemand. Es ist als hätten wir uns das Jahr über täglich gesehen!
Noch am ersten Abend wird für Stunden niemand in der Runde müde bei den Erzählrunden, Lachflashs und dem Schwelgen in Erinnerungen.

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Im Laufe des Seminars standen verschiedene Einheiten im Programm. Ein großer Punkt waren die Projektbesprechungen, sprich Evaluation unserer Playas-arbeit, die Musikalische Auswertung – also Instrumentenbestände, Schülerniveaus und gemachte Fortschritte, Tipps und Wünsche für das neue Jahr und ein ewiges Geschichtenaustauschen. „und wisst ihr noch bei dem Konzert, das plötzlich war..“ „hast du gesehen, welches Profilbild deine Schülerin mit dir hat?“ „letztens habe ich mit meiner Gastmama geskyped und ich soll euch liebe Grüße ausrichten“  (…)
Auch ging es um die Arbeit die MOG leistet, also die Arbeit die wir als MOGs in Ecuador/Jamaica und Ghana geleistet haben. Wir sind als „Perspektivenschaffer“ „Geigenlehrer“ „deutscher FSJler“ aufgebrochen, aber haben sich unsere Erwartungen im Gastland erfüllt?
War ich wirklich Lehrer? Oder viel mehr Lernende? Tief in mir glaube ich, dass ich in dem Jahr viel mehr von meinen Schülern gelernt habe, als sie von mir. Tief in mir glaube ich, dass auch mir eine Perspektive geschaffen wurde, und dass ich nicht als „die Deutsche“ gegangen bin, als die ich ankam. Meine Erwartungen haben sich umgedreht. Schüler sind Freunde auf Augenhöhe, mit tiefstem gegenseitigen Respekt, ich habe mich in vielen Momenten verlorener gefühlt, als ich es je bei einem meiner ecuadorianischen Freunde miterlebt habe. Ich war einfach nur ein Musiker ohne Grenzen, der das was er an der Geige über Jahre gelernt hat weitergegeben hat, und im Austausch wundervolle Freunde, Schwestern und Brüder gewonnen hat.

Natürlich ging es auch um den wichtigen Punkt des Wiedereingliedern und Ankommen in Deutschland.
Was ich mitgenommen habe für mein Privatleben, Situationen im Studium, für meine Freizeit und meine Beziehungen zu Freunden und der Familie.
Verschiedene Puzzleteile habe ich aus Ecuador mitgenommen, Sie ergänzen jetzt hier mein Leben, und werten es auf.
„der Glaube an das Positive“ „Abschalten“ „Offenheit“ „Familienwertschätzung“ „Reis zum Frühstück“ „Spanisch sprechen zu können“ „Gemeinsames Musikmachen“ „Hinnehmen von Gegebenheiten“ „Gastfreundschaft“ sind nur Beispiele aus einem großen, selbstgestalteten Schaubild. Ganz werde ich wohl nie mehr in Deutschland ankommen können, eben genauso wenig wie ich Ecuador ganz verlassen habe.

Durch das gesamte Seminar zieht sich der rote Faden des Lächelns, das wir auf unsern Lippen tragen. Die Geschichten und die Erlebnisse, die uns verbinden, die Gefühle die beim gemeinsamen Musizieren und Tanzen aufkommen und die innere Ruhe Zuhause zu sein, Zuhause bei MOG.
„nirgendwo fühle ich mich so verstanden wie in der Gegenwart von Musikern ohne Grenzen.“
Und genau dieses Gefühl bleibt bei mir zurück, als ich morgens in den Zug nach Landau steige. Nicht nur das Jahr war eines der schönsten, die ich bisher erleben durfte, bereichert hat mich vor allem der Verein dahinter. WIR, UNSERE GESCHICHTE, UNSER NAME. Ich bin ein Teil von etwas Großem, unbeschreibbar Großem und doch ganz kleinem. Von Musikern, die ihre Leidenschaft dahinter mit anderen Menschen teilen wollen.
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…für diese wundervollen Tage!
bis bald, eure verMOGGTE Paula

 

zwischen zwei Welten

Die Worte schon oft gehört, aber nie zugehört oder verstanden. Jetzt weiß ich plötzlich, was das heißt. Ich schlafe gestern ein und weiß nicht, was ich denken soll. Ich wache auf und verstehe nicht, warum ein gepackter Koffer auf mich wartet. Ich steige in den Bus zum Flughafen und habe das Gefühl „eh gleich wieder zurückzukommen“. Ich betrete den Flughafen und die Schilder haben keine Bedeutung für mich, ich folge nur leeren Anweisungen. Ich verabschiede mich von Jule, Sophia und Chavo und nichts passiert. Ich sitze im Flugzeug und realisiere nicht, wohin ich fliege.

Ich lande in Bogota, einem fremden Land, einem fremden Flughafen und begegne fremden Personen. Plötzlich habe ich ein Gefühl. Das Gefühl nicht zuhause zu sein. Ich hätte ehrlich gesagt, so etwas von mir nicht erwartet. Ich dachte so „ach Quatsch, da machen wir kein großes Drama draus, da verabschiede ich mich von allen, steige ins Flugzeug, sehe meine Familie und meine Heimat wieder und irgendwann komme ich schon zurück“. Ja. Pustekuchen.

Die Wahrheit ist, dass ich erst 5 Stunden vor meiner Abfahrt meinen Koffer gepackt habe, weil ich es vorher nicht weitergebracht habe, als ihn anzustarren. Die Wahrheit ist, dass ich mich von viel zu vielen Freunden und Bekannten nicht offiziell verabschiedet habe, weil ich nicht realisiert habe, dass der Zeitpunkt dafür jetzt gekommen ist. Allein deswegen fühle ich mich schon schlecht und nur mit einem Fuß im Flugzeug. Dann ist da noch meine rechte Hand, die noch die von Pablo hält, meine eine Hüftenhälfte, die noch Salsa tanzt, meine pummelige Bauchhälfte, die noch Reis mit Huhn und Kidneybohnen isst. Meine rechte Gehirnhälfte, die noch in der Musikschule unterrichtet und mein Herz? Das in der Mitte schwebt.

Ich hätte viel mehr Zeit gebraucht, mich mit all dem auseinanderzusetzen, aber wenn ich sie gehabt hätte, hätte ich sie wahrscheinlich nicht genutzt. Wie erkläre ich euch nur, warum ich mich so fühle, wie jetzt. 9 Monate, das sind 41 Wochen und 287 Tage, an denen jede Stunde etwas passiert ist, was mir vorher noch nie passiert ist. Von null auf hundert eine Sprache lernen, eine neue Familie zu haben, fremden Menschen zu vertrauen, Noten lesen beibringen, Fischsuppe zum Frühstück zu essen, mit Moskitonetz zu schlafen, den Mond falschrum zu sehen, andere Musik kennenzulernen, Freundschaften in einer anderen Sprache zu schließen, die Mama nur im Bildschirm zu sehen, sich jeden Tag mehr da Zuhause zu fühlen, wo man jeden Morgen aufwacht. Und gerade die letzten zwei Monate, die so unglaublich intensiv waren und so unglaublich langsam vergangen sind, haben mir ein ein Gefühl von: „hey ich bin doch Zuhause“ gegeben.

Warum ich dann überhaupt eingestiegen bin in meinen Flieger? Ich habe viel vor in den nächsten Tagen und irgendjemand hat bestimmt, dass ich diese Tage in Deutschland verbringen werde. Ich fahre gleich am Donnerstag auf das Vorbereitungsseminar von den neuen MOG-Freiwilligen, um von Playas zu erzählen, ich habe Vorstellungsgespräche, Kaffeverabredungen und das Bedürfnis meine Familie wieder zu umarmen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen zwei neuen und gleichzeitig alten Welten und höre eigentlich nur mein Herz in der Mitte vor sich hin schlagen.

Aber vor allem bin ich hin und weg. Von all den Bildern, die ich in mir trage, all den Personen, die ich zu lieben gelernt habe und dem Abenteuer, das im August mit euch angefangen hat und jetzt zuende geht.

Danke, dass ihr mich in jedem Tiefpunkt wieder nach oben blicken habt lassen und in all den schönen Momenten mit e-Mails und Anrufen mitgefiebert habt. Ich freue mich darauf, euch alle wieder zu sehen! La Paulita

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Hier in Ecuador gibt es dieses Paradis: 2 Monate Ferien!
Am 28.02 war Schulschluss und diesen Montag fangen die Schuluniformen wieder an die Straßen zu füllen.
Lasst mich von diesen Ferien erzählen.
Wenn die Schulen die Tore schließen, fahren sämtliche Familien aus Playas zu „ganz engen Verwandten“ meistens irgendwo aufs Land und gefühlt jede zweite Familie aus Guayaquil nach Playas. Für die Ortssituation heißt das der Strand ist voll. voll.voll. Und nicht nur der Strand, offenbar begann mit der schulfreien Zeit automatisch die Periode der Ferienworkshops, die im centro intercultural stattfinden, sprich da wo wir auch unterrichten. Das centro intercultural stellt ihr euch am Besten, wie eine Art Jugendtreff vor. Jeder Raum verbirgt einen anderen Workshop: Malen, Bibliothek, Medizinerkurse, Nähen, Gitarre, Basteln, Ballett, und wir: ola sinfónica. Von diesem magischen Tag an, waren plötzlich am Anfang verschwunden geglaubte Kinder in der Musikschule. Ehemalige, Neue, Zuhörer, alles-anfasser-aber-nichts-redende, Alte Männer, Babys – jeder hatte das dringende Verlangen, jetzt endlich das Lieblingsinstrument zu lernen.

Mein Stundenplan ist voll mit doppelbelegten Stunden, von Montag bis Samstag nachmittag und zwei Vormittage. Unglaublich viele Anfänger, aber auch Schüler, die schon mal mi anderen Freiwilligen Geige gespielt haben. Und Ecuador und Zuverlässigkeit hin oder her – diese Schüler kommen. Pünktlich, motiviert, so lange und oft sie können es ist unglaublich. Ich falle  –  trotz Mittagsschlaf  –  um 9 ins Bett, als hätte ich vorher noch nie so viele Stunden am Tageslicht verbracht. Bei uns allen läuft es übrigens so. Ein kleines Gesprächchen unter Lehrern ist nicht mehr drin, außer man lässt den Schüler in der Zeit weiter üben. Und plötzlich läuft alles im Projekt. Wir führen ordentliche Schülerlisten, Rückblicke über die Ereignisse, Finanzpläne und erstellen gerade eine Mappe mit all dem wichtigen Informationen, die uns am Anfang gefehlt haben.
(Und von verschlossenen Türen oder nicht funktionierenden Instrumenten lassen wir uns auch nicht unterkriegen:)
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Und das ist nicht alles! Wir haben die Zeit, die Ecuador hat genutzt für unser neues Baby.
Wir haben es schon zu lange vorgehabt und die gebacken bekommen. Darf ich präsentieren – unsere Salsaband!
Noten wurden aus dem Guasmo, anderes MOG Projekt in Guayaquil, organisiert, alle Interessierten angequatscht und viel Salsa gehört. Irgendwie müssen wir ja auch eine Ahnung haben wie das Musikgemache hier läuft. Und weil ich auch mitmachen wollte, habe ich mir E-Bass beibringen lassen. Und als ich dann festgestellt habe, dass das die Geigensaiten sind, war meine Motivation auf dem Höhepunkt.
Die erste Probe war unglaublich. 20 Jugendliche jeder mit leuchten in seinen Augen. Und was die Eccis kennen, können sie dann auch wirklich. Gleich die erste Probe lief so gut, wie wir uns das nie erwartet hätten, aber plötzlich wurden die Eccis zu unseren Lehrern und die Stimmung unglaublich.
Wir proben seit diesem Tag, zweimal wöchentlich (und es sind immer so viele da!) und haben schon zwei Songs aufführbereit hinbekommen. Ergebnisse folgen unten, hier aber die erste Bandprobe:P1010867_1

Genug geschwärmt von der musikalischen Arbeit, jetzt wird kurz gejammert. Hier ist Regenzeit! Und das ist leider nicht so wie in Deutschland, man zieht die Regenjacke an und gut ist sondern hier regnet es tatsächlich. Und wir erinnern uns an das Straßenbild in Playas:

die allgemeinen Straßenverhältnisse in Playas

Und Sandstraßen ohne Abfluss in der Kombination mit stundenlangem Regen sieht dann ganz bald so aus. Ach und nicht dass es den ganzen Tag tröpfelt – nein – nach einem Schauer hat es keine Wolekn mehr am Himmel und es knallt die 38° runter. Wie im Regenwald ist die Luft.
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Harte Zeiten für Sonnenbader und vor allem für Fahrradfahrer. Wir sahen aus wie die Schweine hier.

Dann hat Maxi vor seinem Abflug noch einen Jamtag am Strand gehabt, einen Hahnenkampf erlebt und seiner Gastschwester, meiner weitesten Schülerin, eine eigene Geige gekauft.

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Um den Klang unserer Salsaband etwas profesioneller klingen zu lassen, organisierten wir uns einen Probentag im Guasmo. Das Projekt empfing unsere Gruppe mit Probenplan, Instrumenten und pro Gruppe ein Bandmitglied als Probenleiter. Wir waren mal wieder beeindruckt von den Ecuadorianern von Clave de sur. Und obwohl wir um 7.00 morgens Playas verließen, waren wir mit 4 Eccis und 3 Voluntarios unterwegs. Leider ohne Andres, den Sänger und Leader der Band, weil seine Freundin den Tag zuvor ihr gemeinsames Baby geboren hat. Verrücktes Land. Abends erschöpft mit dem Salsarythmus im Ohr kam die kleine Band wieder in ihrer Heimat an. Wow, an der Probenstringenz können wir noch was lernen, wir sind einen richtigen Schritt weitergekommen was unsere musikalische Arbeit im Projekt angeht!

Und nun zum Höhepunkt. Zwei Monate fast täglicher Unterricht und das letzte Konzert unserer Projektphase wird zu einem rot markierten Tag im Kalender.
Ich muss gestehen, dass wir immer noch keine Perfektion erreicht haben was das angeht. Dankeschöns wurden gebastelt, Reden geschrieben, Eltern angerufen, Rathaus Erlaubnisse gefordert, Flyer erstellt, Technik organisiert, Buffet aufgebaut und Treffpunktzeiten vereinbart.
Und immer wieder wird man vor den Kopf gestoßen. Alex ist nämlich in Salinas gewesen, den ganzen Sonntag. Sprich unsere Diashow mit Beamer fiel ins Wasser, es gab nur 10 Stühle, kein Klo war aufgesperrt und die Tontechnik wurde plötzlich in Frage gestellt. Und dann kam auch noch Andres nicht, auf den man sich sonst immer verlassen kann, der die komplette Technik kennt und aufbaut.
Um drei, wann das Konzert eigentlich beginnen sollte, tanzten dann erste Schüler an. Puh daran werde ich mich wohl nie gewöhnen.
Jetzt zu den Lösungen des Tages und warum dann unser Abschiedkonzert die absolute Krönung meines Musikschulejahres wurde.
Topher übernahm die Technik, bis auf Andres waren alle Schüler da, Jules Familie organisierte Stühle, plötzlich war der Zuschauerbereich voll!
Meine Schüler haben toll gespielt, das erste Mal, dass wirklich alles geklappt hat! Ich war so stolz! Leider gibt es kein Video, das habe ich vergessen zu organisieren, aber vielleicht organisiere ich da noch was für euch und mich.
Am Ende der Schülervorträge haben wir alle eine Rede gehalten, die wir mit viel Mühe verfasst hatten, und übergaben so die Medaillen und Dankeschöns an all die Menschen hier auf die man sich doch immer verlassen kann und die einem das Leben und Arbeiten hier einfach erleichtern.
Dann bekamen noch alle Schüler Zertifikate für ihren belegten Unterricht und die Salsaband hat aufgespielt.
Mit jedem Zittern vorher, denn Andres, unser Sänger hat ja gefehlt!
Spontan meinte dann plötzlich ein Freund von uns, der eigentlich nur zum Zuhören gekommen war er wüsste den Text. Er wurde auf die Bühne geschleift und es ging los. Seine Schwester hat während dem ganzen Konzert das Original auf dem Handy mitgehört um ihm zu helfen, falls er rausfliegt.Kein einziger Fehler, es war genial. Erleichterung, Stolz, Zufriedenheit – mein Lächeln konnte mir keiner mehr nehmen.
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Und jetzt beginnt meine letzte Woche in Playas. Über diese berichte ich in wenigen Tagen – bis bald, eure Paulita

kleiner Urlaub großes Ziel

Und Ende Februar (ein Monat der nun wirklich verflogen ist) haben wir das letzte Mal vor unserem Rückflug nach Deutschland den Flughafen betreten.
Das letzte große Reiseziel sollte erreicht werden: Die Galapagos Inseln.
War ja quasi ein Katzensprung und vor allem ein Katzensprung, der sich gelohnt hat.

Wir hatten ziemlichen Stress in der Musikschule vor unserem Abflug und auch im Alltag lief nicht alles glatt.
Fritz, Maxi und Jule mussten leider erleben, dass unser kleines, schnuckliges Playas doch noch in Ecuador liegt und das nun mal ein gefährliches Land ist. Wussten wir vorher, vergisst man hier aber schnell wieder.
Die 3 liefen um 2 Uhr nachts von einer Hochzeit ins Centro, um ein Taxi nach Hause zu nehmen. Sie hatten einen Gig (bei dem wir 2 neue Klaviere erspielt haben!) und waren dank Freigetränken vielleicht leichtsinniger als sonst, man weiß es nicht.
Es kam ihnen ein Motorrad entgegen, deren Fahrer Fritz eine Pistole an den Kopf hielt. Das alles ging so schnell, dass wir lange im Nachhinein konstruiert haben, in welcher Reihenfolge sich die Ereignisse überschlugen.
Jule gab wortlos ihren Geldbeutel her, Maxi gab dem Mädchen, das sich an seiner Tasche vergriff einen Schlag ins Gesicht und als Fritz seinen Rucksack verteidigte rammte der Kerl ihm die Pistole in die Stirn.
Die Drei rannten, die Anderen fuhren. Playas war wieder gewohnt ruhig.
Fritz wurde im Krankenhaus genäht und hat jetzt seit 2 Wochen das Haus abends nicht verlassen. Wir sind echt alle ziemlich geschockt gewesen und haben für die Zukunft Sicherheitsmäßig einige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Ich hoffe sehr, dass es Fritz bald besser geht und, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben müssen.
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So und dieser und andere Vorfälle ermöglichten uns eine Reiseplanung gleich NULL.
Wir landeten also ohne Ahnung auf San Christóbal, wo man uns 100$ Nationalparkgebühr abknöpfen wollte. Wir weigerten uns eindringlich diesen Touristenpreis zu zahlen, wuchtelten mit unseren Visas. Punkt punkt punkt. Reisepassversperrung, Besuche im Ministerium, ein Treffen mit einem Anwalt, dem Chef der Parque Organisation der Inseln und 9 Tage später, zahlten wir zerknirscht, was uns befohlen wurde. Schade, dass ein Teil Ecuador, freiwillig Arbeitende Jugendliche nicht wenigstens um einige Dollar erleichtern kann.
Nun, aber die eigentliche Zusammenfassung unserer ersten Tage auf San Christóbal, der wohl für Surfer und Taucher am Meisten geeignete Insel.
Wir verbrachten den ersten vollen Tag an zwei nahegelegenen Stränden, die mit dem Auto zu erreichen waren. La Loberia und Las Tijetas.
Bei La Loberia schnorchelten wir doch tatsächlich mit unglaublich vielen zutraulichen Seelöwen und einem Übermaß an bunten Fischschwärmen, dazu das Wasser türkisklar und im Hintergrund die Surfer am Trainieren. Was für ein toller Beginn der Reise.
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Am Nachmittag ging es an den südlichen Strand Las Tijetas. Maxi und ich haben einen Adlerrochen gesehen. Alter Schwede war der groß. Kann einem echt Respekt einjagen einige Zentimeter über so einem Meergespenst zu liegen. Nur ständig diese Leguane. Muss überhaupt nicht sein finde ich.
An Land – ok. Im Wasser? Nein!
Gut, da muss ich wohl durch, während sich der Rest der Crew ein Lächeln über meine Phobie verkneift.
Aber der Sonnenuntergang hat dann ganz schnell alles wieder gut gemacht! Es ist wirklich ein Traum, für so wenig Geld und Zeit an diesem Ziel angekommen zu sein.P1010774_1     P1010780_1

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Nächster Halt war auch schon Santa Cruz. Die am meisten bewohnte Insel, mit dem Hauptflughafen und dem anderen Projekt von Musiker ohne Grenzen.
Boot fahren war spannender als gedacht, ich war froh irgendwann einschlafen zu können die 2 Stunden hätte man tatsächlich angenehmer als mit Schwimmwesten und fremden Gringos verbringen können.
Wir wurden aber umso freundlicher von unseren Partnern begrüßt und es wurde sogar Platz in ihrer Freiwilligen WG geräumt. Johnny ist leider zu der Zeit in Guayaquil gewesen und auch die Anderen vom Seminar waren schon nicht mehr anzutreffen, aber Johanna, mit der ich lustiger Weise in der Stufe war und Ella, eine Freundin von Johnny haben uns sehr gastfreundlich gleich ihre Insel vorgeführt.
Der Ausflug des Nachmittags war die Charles Darwin Foundation, in der Landschildkröten betreut werden. Die Eier werden eingesammelt und die Schildkröten werden dort aufgezogen, nach Lebensjahren sortiert.
Sie bekommen Inselspezifisches Essen und sind dank Spendengelder 6 Jahre dort großzuziehen, bis sie wieder an ihren Geburtsort ausgesetzt werden.
Ja und dann gibt es da noch diese gelben Langleguane. Ich sage dazu herzlich wenig.
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Am Abend wurde groß mit den ecuadorianischen Freunden aufgekocht. Einer bringt Fisch mit, der andere Früchte, wir kaufen Gemüse. Der Lebensstandart der Einheimischen dort ist doch höher. Sie reden aber auch alle sehr positiv über die vielen Touristen die ihre Inseln besuchen. Gut viele Arbeitsplätze, aber ist das nicht auch super nervig? Offensichtlich noch nicht.
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Am nächsten Tag planen wir nach dem Aufstehen, der Mittagshitze in den Lavatunneln zu entgehen. Heiß geflossene Lavaströme des Vulkans im Hochland sind von außen fest geworden, im Inneren jedoch weitergeflossen. So entstanden Tunnel, die man heute belaufen kann. In 15 Minuten ist man allerdings durch.
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Nach dem Mittagessen liefen wir 30 Minuten Nationalpark ab, um an den Schildkrötenstrand „Tortuga Bay“ zu gelangen. Aber wie sich dieser Weg gelohnt hat. Dreifarbiges Wasser, weißer Strand, kostenlose Surfbretter.
Wir sind glücklich auf unseren Longboards aufgestanden und bis zur Sandbank gesurft. Was stellen wir uns nur immer so an in Playas, wir könne ja doch surfen!
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P1010841_1Das war der Ausblick vom Nationalparkeingang.

Am nächsten Tag haben wir uns, gemeinsam mit Ella, auf die Insel Isabela schiffen lassen.
Die Insel besteht aus 6 bzw 7 Vulkanen, die das Festland wie ein Seepferdchen erscheinen lassen.
Deswegen haben wir auch beschlossen auf dieser Insel unsere erste geführte Tour zu machen. Einen Aufstieg auf den Vulkan „Sierra Negra“ und „Volcan Chico“. Die Tour began angenehmerweise um 7.00 Uhr morgens, sodass man zur Mittagshitze wenigstens Höhenwind um die Nase hatte. Der Ausblick war beeidruckend, ich hoffe die Fotos können einen Teil wiedergeben!
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Aus Zeitmangel fuhren wir noch am Tag der Tour erschöpft zurück nach Santa Cruz.
Auf dem Plan standen die „Grietas“. Eine Schlucht mit glasklarem Wasser zum Schnorcheln, Schwimmen und Springen.
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Und schon ruft die Bootsfahrt nach San Christobal, die Insel unseres Flughafens. Langsam haben wir uns an die wakligen Boote gewöhnt und mit den Schwimmwestchen angefreundet. Auf ins letzte Abenteuer!

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Auf der Überfahrt habe ich Roland aus Dresden kennengelernt und bei kurzem Smalltalk ist herausgekommen, dass wir beide den gleichen Tauchschein, sowie die gleiche Tauchpause von 2 Jahren hatten. Das hat die ganze Aktion erheblich erleichtert, da wir zusammen Angebote abgewägt haben und uns letztendlich für einen Guide entschieden hatten, der gleichzeitig noch für die Anderen einen Schnorchelausflug an der selben Location organisierte.

DSC00649_1Nach einem kleinen Check-Dive am Strand kamen wir mit unserem Boot am Kicker Rock an, auch genannt Leon Dormido. Ein beeindruckender Fels mitten im Pazifik, der einen 10m breiten Spalt besitzt. Ideal für alle Fischschwärme, denn es gibt Korallen mitten im Meer. Und da wo Fischlis sind, sind ja auch bekanntlich größere Fische, die die kleinen fressen.
Gleich im ersten Tauchgang sah ich nach 2 Minuten eine friedliche Schildkröte neben mir herdümpeln. Wirklich absolut faszinierende Tiere. Irgendwie unbeholfen, aber auch sehr elegant. DSC00670_1             DSC00657_1
So und jetzt kommen wir zu den Tieren, die die besagten kleinen Fische essen. Haie.
Nicht erschrecken, sie essen ja bekanntlich Fische. Der Ein oder Andere 2m Lappen hat mir aber doch hin und wieder Respekt eingejagt.
Der zweite Tauchgang eine Stunde später war dank Strömung etwas anstrengender und auch die Unterwasserwelt war wie weggeblasen. Trotzdem haben wir gerade noch die Hinterflosse eines Hammerhai entdeckt, zwischen Fischschwärmen in imensem Ausmaß und Schildkröten, Babyhaien und Seespferdchen.
Die Bilder können sich sehen lassen, auch wenn unser Guide schon von 30m Sicht, statt 8 geredetet hat und am nächsten Tag stolz mit dem Video eines Walhai angab. Egal – hat sich echt gelohnt!
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An unserem letzten Tag auf San Christobal und damit auch auf den Galapagos Inseln haben wir noch eine kleine Tour gemacht. Den Vulkan im Hochland hochspaziert und den schönsten Strand der Insel mit Blaufußtölpeln abgehakt.
Blaufußtölpel gab es tatsächlich und Seelöwen natürlich auch wieder. Und da kamen wir auf die Idee, den Seelöwen mal so eine Eigenschaft nachzumachen. Schließlich haben wir uns nach all den Tagen mit ihnen schon so einiges abgeguckt.
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Und in unseren allerletzen Stunden im Paradis um 8 Uhr morgens haben wir es doch tatsächlich noch gebacken gekriegt mit einer Schildkrötengroßfamilie zu schwimmen. Babys, Mamas, riesige Papas, die ganze Bucht voller wunderschöner Meereskreaturen. Was will man mehr, bevor man ins Flugzeug steigt und sich seinem Zuhause wieder nähert. Auch wenn wir bestückt von Bildern und Andenken sind, Playas bleibt irgendwie doch unser eigentliches Paradis.

Ein GROßES Wochenende

Schon im Januar bei der großen Reunión hatten wir angefangen die Idee für ein Wochenende mit allen Freiwilligen zu pflanzen. Mehr Austausch, mehr Neues, mehr Musik.
Wir luden also alle Freiwilligen aus den Nachbarprojekten in  Ecuador ein, um mit ihren schon älteren Schülern zu uns nach Playas zu kommen, um dort Musik zu machen.
Olón, Shagal, Guasmo Sur. Alles wollten wir vereinen in einem Straßenmusikkonzert im Centro. Ein Haus wurde organisiert in dem wir schlafen sollten, Essenspläne aufgestellt und das Dorf mit Werbung beklebt.
Am Freitag kamen die Freiwilligen aus Olón und die Leute aus Shagal an. Das erste gemeinsame Abendessen fand bei Jules Gastmama Martha im Hof statt. Es gab Hühnchen mit Reis, zum Nachtisch Kartenspiele.
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Am späteren Abend ging es ins Zentrum auf den Geburtstag von einem Freund von uns. Tanzen, Torte, Freunde, abstruse Gespräche – sprich alles was den Abend zu einem Abend in Playas macht.

Samstagmorgen um 8, sprich kurz nachdem wir im Haus zum schlafen angekommen sind, hatten wir eine Verabredung im Radiostudio Playas. Um uns als Musikschule vorzustellen und um das Konzert am Abend anzusagen. Das Radio hatte seine Einladung leider vergessen und so worfen wir erstmal 15 Minuten mit Steinchen und pfiffen, bis uns der Schlüssel zum Öffnen der Tür heruntergeworfen wurde.
Ich war echt aufgeregt. „Was, wenn ich die Frage nicht verstehe? das ist doch dann voll peinlich so live im Radio!“ Maxi und ich haben uns zu dem ganzen erbarmt, da der Rest ausschlafen bevorzugte und so saßen wir bald vor 2 Mikros zitternd das Spanisch des Moderators gleich zu verstehen und einigermaßen seriös antworten zu können.
Die Fragen waren Gott sei Dank so gestellt, dass man 2 – 3 Wörter im Genuschel indentifizieren konnte, sich den Zusammenhang erahnte und mit den Standartfloskeln antwortete. „somos voluntarios, enseñamos musica en playas que no cuesta nada.“ „si me gusta Ecuador“ „en el casique tumbala martes a sabado“ „estamos aqui por unos meses pero no queremos regresar“ Das war alles noch äußerst leicht zu handhaben, auch die Konzertansage lief erstaunlich gut. Wir hatten noch Pablo, als Schüler der Musikschule im Gepäck, Isabel, die Chefin des centro intercultural und Martha, Jules und davor schon Julias, also eine der ersten Gastmütter.
An die gaben wir erleichert das Mikrofon ab und lehnten uns zurück. Bis „maxi?? Hat der gerade unseren Namen gesagt??“ „ne oder?“ „hast du die Frage verstanden?“ „nein, du??“ „ja dann ähm schade und jetzt?“
Maxi setzte sich trotzdem kurzerhand ans Mikrofon und erzählte das Blaue vom Himmel herunter, bis seine Gastmama im Radio anrief, Maxi für seine Antwort entschuldigte und kurzerhand selbst die Sache in die Hand nahm. Pilar ist einfach immer mit der helfenden Hand für uns da!
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Nach dieser Challenge, versuchten wir noch ein bisschen Schlaf einzuholen, bis um 11
die Chicos aus Guasmo Sur ankamen. Die brachten wir also gleich ins centro intercultural, also in die Musikschule, damit die Proben beginnen können. Auf uns wartet schließlich ein großer Auftritt.
Die Proben haben mehr oder weniger deutsch geklappt, dafür wurde mit ecuadorianischem Hunger gespeist und das ist doch am Ende das Wichtigste hier.
Nach dem Mittagessen folgten noch fleißige, gestärkte Proben bis um halb sechs Aufbruch zum Duschen, Umziehen und Essen war.
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Ich selbst habe leider meine Band verpasst, weil ich so lange auf die letzte Duschgruppe Eccis gewartet habe, aber dafür habe ich die anderen Früchte unseres Probentages genossen. Es war echt Programm geboten! Man könnte meinen, alles war von Anfang an so geplant und durchgeführt worden.
Nach dem 2 stündigen Konzert mit einer tollen Publikumsgröße, verfrachteten wir alle (!!) Instrumente auf einer Camioneta und ab gings den Abend ausklingen lassen, der Nacht zusehen und das Morgengrauen genießen.
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Was – schon Februar?

Letztens guck ich in meinen kleinen Kalender, den ich mir in mein Tagebuch gezeichnet habe und stelle doch tatsächlich fest, dass der Februar begonnen hat.
Deswegen versuche ich schnell den Januar auf den Punkt zu bringen, bis der Februar schon wieder rum ist.

Event Nummer 1: Reunión mit allen Freiwilligen über Pläne, Finanzen, Vorhaben und Rückblicke.
Wir haben mittlerweile quasi alle Vorsätze meines letzten Eintrages umgesetzt. Darauf bin ich sehr stolz. Endlich konnte man wieder ausatmen und wissen: wir haben alles im Griff.
Die Raumsituation hat sich erheblich verbessert. Wir haben in der Kirche nebenan gefragt, ob wir die Gemeinderäume im Hinterhof nachmittags belegen dürfen.
Das hat 2 Tage einwandfrei geklappt, bis uns Isabel offenbart hat, wie enttäuscht sie ist, dass wir einfach woanders unterrichten. Unser Zuhause wäre doch das centro intercultural!
Mittlerweile haben wir 3 Räume zum unterrichten und den Hof. Zu Stoßzeiten dürfen wir auch in die Bibliothek.
Die Tanzgruppen wurden auf 20.00, also nach unserer Arbeitszeit verlegt und auch die Bastelgruppe stört nicht weiter. Wir sind begeistert. Ich habe einen eigenen Raum!!
Und der ist auch bitter notwendig geworden. Es gibt doch tatsächlich Tage, an denen ich den Raum bis abends nicht verlassen, weil sich die Schüler die Geige direkt im Türrahmen übergeben.

Event Nummer 2: Isaaks Erstkommunion. Am 17.01 morgens war die Kommunion von meinem Gastbruder. Weiß gekleidet geht es in die Kirche, danach nach Hause, Truthahn essen, und Familienfest genießen.
Aber trotzdem ist es etwas anderes als in Deutschland so ein Event. Wenn der Gottesdienst um 9.00 Uhr anfängt, ist bereits um halb neun die gesammelte Familie dort. Hier wurde um Viertel nach 9 geduscht. „jaja glich gehen wir los.“
Bei mir gab es eine Einladungsliste, alles ist geplant, wer angesagt hat er kommt, kommt.
Der Opa hatte das Fest irgendwie vergessen, ebenfalls 3 enge Tanten. In der Kirche war es so langweilig, wie noch nie, da konnte auch die – schreckliche – Playbackband nichts dran ändern. Aber all das spielt so oft hier keine Rolle. Hauptsache alle reden sich ein, wie toll alles ist und posten das ganze dann noch eine Stunde später auf facebook.
Das Lustige an der Geschichte ist nur, dass mir das gar nicht mehr auffällt, wenn ich nicht darüber nachdenke. Deswegen verschwindet auch nach und nach das Bedürfnis, alles was ich hier erlebe aufzuschreiben. Weil es sich langsam normal anfühlt und ich nicht registriere, wie anderes ihr das wahrnehmt. Ist das nicht verrückt?

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Event Nummer 3: Gut, das war verrückt. Die Hochzeit meiner Cousine!
Meine Gastmama und ich wollten um 18.00 die Kirche schmücken. Der Gottesdienst war auf 20.00 angesetzt. Um sechs jedenfalls war Baustelle. Funken und ein ohrenbetäubender Lärm flogen uns ins Gesicht. Das ist so Ecuador! Herrlich.

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Zuhause wurde um 20.00 das duschen begonnen, das Auto geschmückt, die Kinder in ihre Anzüge gesteckt, fleißig aufgeschmikt und und in aller Ruhe um viertel vor 9 die Braut abgeholt.

 

 

Der Gottesdienst war ehrlich gesagt mehr ein Fotoshooting, als ein gesegneter Ablauf an schönen Worten über die Kraft der Liebe und für die Zukunft. Die komplette Gemeinde hatte sich mit Kameras bewaffnet um das Paar positioniert, um jedes Lächeln einzufangen, was die Kirche etwas sauberer machte, nachdem die Baustelle zwar beendet, aber nicht unbemerkbar geblieben ist.

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Das eigentlich Fest danach war im Zentrum mit Blick auf ganz Playas. Es wurde getanzt, fleißig moderiert und gegessen. Und getrunken. Hola die Waldfee. Auf jedem Tisch stand eine Flasche Rum, mit Eis und Cola. Dazu wurden Cocktails bestellt und Bier gebechert. Das war also ein offizieller Termin, um sich zu betrinken. Es gibt hier kleine Codes oder so!
Die Nacht wurde immer länger und die Zeit zum schlafen immer weniger, also wir um 5 die Feier verließen, waren wir fast die Ersten. Und das obwohl fast jede Familie Kinder dabei hatte!
Es war ein sehr schöner Abend mit meiner Gastfamilie, der uns auch wieder zusammen gebracht hat als Gruppe. Nur haben mir Beiträge von den Gästen gefehlt. Davon, wo in Deutschland jede Hochzeit vollgestopft ist, gab es hier nichts dergleichen. Was fehlt? Kreativität? Mut? Fantasie?

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Event Nummer 4: Samuels Despedia. Das traurige Vorab. Es fühlt sich echt komisch an, zu wissen, dass es jetzt anfängt Freiwillige zu verabschieden! Er kam quasi mit mir im August an und fliegt schon nach Deutschland. Es ist tatsächlich ein halbes Jahr vergangen!
Wir sind also als Playasgruppe verabschieden gefahren und haben mit vollem Einsatz an seiner Abschiedsparty teilgenommen. Es war echt schön im Guasmo. Dort ist richtig musikalische Stimmung finde ich. Es gibt eine Clique in der Schule, jeder spielt etwas, singt und unterstützt. Kein Wunder. Das Projekt dort feiert im August 10jähriges Jubiläum!
Es war total schön, mal wieder alle zu sehen, die Freiwilligen aus Shagal waren nämlich auch da, um den Abend zu genießen.
Es hat die Salsaband gespielt, die Rockgruppe spontan die Instrumente rausgeholt und Dankesreden gehalten. Mir gefällt die Stimmung dort, dass alle Freunde aus der Musikschule sind. Dass dieser Aktionismus die Gruppe am Leben hält. Und wie selbstständig die Eccis schon die Musikschule im Griff haben. Das Projekt hat echt in vielen Dingen eine Vorbildfunktion für uns.

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Neujahrsvorsätze und anderer Schnickschnack

Während ich mittlerweile jeden Tag aufwache mit dem Gedanken: „Warum ist es eigentlich derartig heiß?“, grüße ich das verschneite Deutschland fast mit Würde an diesem Morgen.
Vielen Dank an dieser Stelle für all die netten Rückmeldungen für meine – wie nenn ich es am Besten? Vielleicht – Zusammenfassungen auf unsachlicher Ebene.
In diesem Sinne, weiter geht’s!

Der nächste große Programmpunkt nach Weihnachten war unser Jazz Konzert in einem brandneuen Hotel mit dem Namen Playa Paraiso, Übersetzung erklärt sich von selbst, das eine Jazz Combo für 4 Abende als Hintergrundmusik gebucht hatte. Kurzerhand bildeten wir demnach (teilweise ohne eine einzige Bluestonleiter-Erfahrung am Instrument) eine Jazzband. Zu meiner Enttäuschung, aber um die Organisation der Sache erheblich zu erleichtern, bildete die Mannschaft sich nur aus uns Deutschen und Doris, unserer Trompetenlehrerin aus Alaska.
Es ist doch wirklich schade, dass man sich am Ende einfach bei keinem Ecci sicher sein kann, dass er zu Proben, geschweigedenn zum Konzert zuverlässig erscheinen wird! An diese Geschichte muss ich mich noch gewöhnen, auch wenn ich es seit 5 Monaten vor mir herschiebe.
Gut, Proben waren schnell vereinbart – wer probt nicht gerne neben einem glasklaren Pool – und so traten wir mehr oder weniger zuversichtlich am 25.12 unseren ersten Gig direkt am Strand an.
Um die Konzerte zusammenzufassen, die sich bis zum 3.01 erstreckten, kann ich sagen, dass, wenn auch durch ständige technische Probleme (hallo Ecuador) erschwert, musikalisch ein großer Fortschritt zu beobachten war, wenn plötzlich die Soli an der Reihe waren und jeder nacheinander ordentlich jamen konnte. Yes we got this.
Ich meine Jazz auf der Geige ist so eine Sache für sich, da es in den meisten Originalen nicht zu erhaschen ist, dennoch habe ich versucht meinem Streichinstrument den nötigen Swingsound zu verpassen. Das Ergebnis – puh hat das eigentlich mal jemand gefilmt? Ich werde mich erkundigen.

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Wir verdienten also einmalige 800$ für unsere Musikschulkasse und können stolz verkünden uns somit erstmal unabhängig von deutschen Spenden gemacht zu haben. Es stehen jedoch auch schon die ersten Reparaturen der Schülerinstrumente an. Akkordeontasten, die klemmen, eine Trompete, die fehlt, weil sie mysteriöser Weise auf dem Transport aus dem Guasmo über einen Freund in Playas verschwunden ist, Kabel die uns unabhängiger machen würden, Saxophonblättchen, ach was man eben so zu bemängeln hat als Instrumentallehrer. An dieser Stelle. Wir brauchen wirklich dringend eine Trompete, falls sich dort draußen ein Kontakt befinden, der ein Spendeninstrument besitzt oder zu vermitteln hat, wäre das großartig!

Jetzt hüpfe ich vor oder auch zurück, wie auch immer, zum 31.12, auch als Silvesternacht bekannt. Um mal vorwegzunehmen und Spannung abzubauen, es war ein toller Abend und bestimmt eines der schönsten Silvester meiner Feuerwerkbetrachter-Karriere.
Zuerst wurden in meinem Barrio mit Moderation, ach wie schön und laut das immer ist, Pappmascheefiguren angezündet. Symbolisch standen diese Monigotes für das alte Jahr, das jetzt pasé ist und aus der Asche wird das Neue in all seiner Schönheit wachsen.
Nach diesem netten, gemeinschaftlichen Nachbarschaftsevent ging es ins Haus zurück in dem sich meine Gastschwester und meine Gastmama an meiner Frisur und meinem Make-Up verkünstelt haben. Da ich darum normalerweise eher dezent Bögen schlage, sah ich auch dementsprechend komplett anders aus, als wir ins Zentrum fuhren. Egal, man feiert eben nur einmal Silvester in Ecuador und das mit dem Anpassen ist eben so eine Sache.

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Im Zentrum war der größte Auflauf, den ich bisher erlebt habe. An der Malecón spielte eine Band Livemusik und alle tanzten auf der Straße, am Strand gab es das offizielle Monigotenfeuer und um zwölf natürlich ordentlich Feuerwerk. Das hat mich allerdings am wenigsten beeindruckt, seit ich hier fast jeden Tag irgendwo ein kleines Feuerwerk entdecke, gerne auch mal mitten am Tag, in den blauen Himmel hinein, einfach nur des herrlichen Krachs wegen.
Jedenfalls wurden dann traditionell 12 Trauben zu 12 Wünschen gegessen, und um 1 hat meine Familie dann auch schon wieder der Schlafschalter angeknipst. Ich bin allerdings im Zentrum geblieben und habe nicht nur die anderen Freiwilligen getroffen und ihnen überschwänglich frohe neue Jahre gewünscht, sondern auch so ziemlich jeden anderen Bekannten, den wir in Playas haben. Surfer, Schüler, Gastgeschwister, Tiendaverkäufer, eben jeder war im Zentrum tanzen und sich dem mittleren Alkoholgelage hingeben.

genau das wollte ich auch sagen

genau das wollte ich auch sagen.

Ich werde die Gesetzhandhabung in Ecuador nie verstehen, aber trotz allem wurde wie immer um 4.00 Uhr der Club geräumt von der Ortspolizei und die gesammelte Mannschaft verlagerte sich in verschiedene Gehäuse. Houssepartys, das Livekonzert an der Malecón, den Strand, jedem wie es passte.
Ich für meinen Teil tanzte zu ABBA auf der Straße, während auf der Bühne 4 Jungs mit Perücke und epochentypischem Kostüm ihre Choreografie zum Besten gaben.
Pablo konnte sich dafür weniger ausdauernd begeistern, da schlägt das Reaggatonherz zu laut und so spazierten wir zum Strand um dort der ersten zweitausendfünfzehn Sonne beim Aufgehen und gute Vorsätze verbreiten zuzusehen.

So genau darauf wollte ich doch hinaus, was für ein herrlicher Bogen.
Zu den 12 Trauben habe ich natürlich auch 12 Vorsätze für dieses Jahr und einige davon beziehen sich auf Ola Sinfonica, die Musikschule, mit der es nach den 10 Tagen Ferien, wieder losgeht.
Allgemein müssen wir dringend eine festere Deutschen-Ecci Beziehung aufbauen. Sie sind schließlich die, die bleiben und die Musikschule in Teilen doch eigentlich übernehmen sollten. Wir planen wieder regelmäßige Reunións, um die Vision zu bearbeiten und vertiefen. Ein Überblick über „was-haben-wir-was-wollen-wir-wie-ändern-wir“ ist fällig in diesem Jahr.
Ich habe eh schon seit ich hier bin das Gefühl, stets viel weniger zu erreichen und musikalisch zu erleben als die Voluntarios letztes Jahr. Wir düdeln so vor uns hin, keiner konnte von Anfang an spanisch, keiner ist älter als 19 (zumindest zu Beginn) und wir sind alle zur gleichen Zeit in dieses so ganz andere Wasser geworfen worden.
Das muss sich ändern! Vorsatz eins.
Vorsatz zwei. Ich will wieder einen funktionierenden und eingehaltenen Stundenplan. Ich werde meine Lücken mit Klavierschülern auffüllen, davon gibt es wie Guayaquilaner am Wochenende zur Hauptsession am Strand.
Und den Stundenplan mache ich erst mit Bleistift, teste 2 Wochen die Zuverlässigkeit des Schülers und trage dann mit Kugelschreiber die Chicos ein, auf die ich mich erstmal verlassen kann, zeitlich und motivationsmäßig.
Ich weiß, die Eccis sind es gewohnt, dass es unstrukturiert läuft und man passt sich ja nur zu gerne an, aber mich persönlich stresst das viel zu sehr, so wie es die letzten Wochen bei mir ablief. Langfristig gesehen bleibt mein Kopf wohl deutsch, auch wenn ich laut Freunden schon viel besser Hüften schwingen kann, à la Latina. Na gut. Anderes Thema.
Dritter Vorsatz, so etwas wie Buch führen über die Musikschule. Chroniken.
Konzerte notieren, mit Bemerkung, Schulen in denen wir unterrichten vermerken, Events auf denen wir gespielt haben mit Kontakt.
Ich würde so gerne mehr über das letzte Jahr hier wissen, aber da krame ich immer erstmal ewig in den Blogs der Engagierten rum, bis ich wieder etwas entdecke.
Letzter musikalischer Vorsatz, Nummer vier: Die Raumsituation mit dem Municipio klären. Es kam das Gerücht auf, dass es einen guten Grund hat, warum uns im Moment nur 1,3 Räume zur Verfügung stehen. Das Rathaus sagt, pro Organisation im Centro Intercultural ein Raum. Bastelgruppe ein Raum, Blindenverein ein Raum, Malkurs ein Raum, Tanzkurse Bühne, bzw. auch gern mal den Hof ebenfalls, Ivan ein Raum mit seiner Gitarren-Gesang-Gruppe täglich.
Ja alles schön und gut, nur sind wir als Organisation leider eine Musikschule, kein Einzelzwergverein. Wir brauchen mit 6 Instrumentallehrern leider mind. 4 Räume. Wie soll ich denn zwischen Schlagzeug und Saxophon noch die quietschenden Geigentöne genießen, geschweigedessen Aylin ihre Klavierkinder hören ohne Verstärker.
Das Isabel zu erklären ist müßig, wir haben es bereits in stündlichen Reuinóns probiert. Das Municipio, also das Rathaus hier, macht da ganz klar einen Strich durch die Rechnung bisher.
Ich habe schon überelgt, ob man uns aufteilt. Ein Teil unterrichtet vormittags, einer nachmittags. Dann bräuchten wir zumindest nur noch 3 Lokalitäten. Was aber schade ist, weil Gruppeninteraktionen erschwert werden und auch wir eigentlich zusammen bleiben wollen.
Und wenn wir dann wenigsten mal klipp und klar erfahren würden, wann wer irgendwo mit Verstärker im Hof rumtanzt, wann irgendwelche Impfaktionen in unserem Raum stattfinden und wann das Casique grundlos verschlossen ist und dummerweise mit Schülern vor verschlossner Tür gestanden wird, denen wir vorher ordentlich Druck gemacht haben, zuverlässig zum Unterricht zu erscheinen. Ähm peinlich?
Gut, wir bleiben auf jeden Fall dran, denn so geht es gerade irgendwie weniger als genug.

Dafür läuft sonst alles ziemlich gemütlich ab, wenn nicht gerade Wochenende ist und Playas von Touris aus Guayaquil gesprengt wird. Ohne Witz, nicht nur, dass Playas den ganzen Aufruhr Strom- und Wassertechnisch nicht aushält (lustig bei der Hitze unter der Dusche zu stehen um dann mierda zu sagen und sich wieder in die feuchten Sachen zu quetschen), sondern auch dass man sich am Strand fühlt wie in Italien im August. Man erblickt keinen Sand und weniger Meer vor lauter Menschen. Nicht schön.
Nun gut, dafür trösten wir uns mit Aktionen, wie unseren EINEN Raum im Centro Intercultural zu streichen, am Strand reiten zu gehen, Filmabende zu realisieren und von Schatten zu Schatten und Eis zu Eis zu spazieren.

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Ich sage euch, es ist so schön aufzustehen und zu wissen, dass man nirgendwo jetzt lieber wäre, als da wo man Reis und Fischsuppe zum Frühstück löffelt. Im Paradis. In meinem Zuhause. In Playas.
Und in diesem Sinne alles Liebe, eure Paula

Mein Weihnachten in Ecuador

1.12. Es wartet eine Keksdose aus bekanntem Haushalt auf mich.
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Ich habe einen Adventskalender! Ein ungewohnt sentimentaler Moment überrollt mich und mir kommen Tränen beim Anblick auf die handgefüllten Säckchen. Das wird also meine Weihnachtszeit ganz weit weg von Zuhause.

5.12. Wir machen einen Abendspaziergang. Ich stelle so gerne fest, im Paradis zu leben.

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12.12 Weihnachtspräsentation in einer Schule, außerhalb Playas. Wir sollen dadurch Werbung bei den Kindern machen, damit diese zu uns in die Musikschule kommen. Der Direktor hat uns eingeladen, und unterstützt uns unglaublich aus Begeisterung von dem Projekt. Er und seine Kinder sind quasi jeden Tag im Casique.
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Abends ist in Playas im Stadtzentrum die große Weihnachtsbaumerleuchtung. Wir spielen mit Doris Weihnachtslieder in Bandbesetzung auf und ab.

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Bis der mit Abstand hässlichste Weihnachtsbaum, den ich je gesehen habe. Ein Drahtgestell wurde mit Rollrasen und blickenden Neonstangen umwickelt.
Nach dieser Enthüllung haben wir uns schnell aus dem Staub gemacht.

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14.12. Weihnachtsplätzchen müssen sein. Ich kaufe die Zutaten ein und bestelle mir meinen Gastbruder in die Küche. Wir machen jetzt deutsche Kekse, die man dort zu Weihnachten isst. (In Ecuador hält sich das Selbstmachen, bis auf das alltägliche Kochen sehr in Grenzen.)
Komischerweise fand sich Isaak zu gut erzogen, den Teig mit den Händen kneten wollte er nicht, aber ich liebe den Spaß sowieso immer noch.
Das mit den Brezeln formen hat er dafür richtig schnell rausgehabt und so entstehen in Windeseile 3 Bleche Brezeln. Ich darf sie nicht Schokoladenbrezeln nennen, aber Kakaobrezeln ist ok.
Die Kekse kamen sehr gut an! Vor allem bei meiner Gastschwester, die nur zugesehen hat.

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17.12. Ich bekomme nicht genug Weihnachtsgefühle zwischen all dem Gesurfe und Geschwitze. Ich schnappe mir meine Geschwister und zwinge ihnen eine nächste Tradition aus dem Hause Zimmer auf. Es gibt Bratäpfel mit Vanilleeis.

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19.12 Ich war so aufgeregt! Unser erster Konzert von der Musikschule.
Es war nicht viel Zeit, seit wir von der Reise zurückkamen und trotzdem mussten wir vor unseren Herzen dieses Weihnachtskonzert über die Bühne bringen.
Geprobt wurde bis zur allerletzen Sekunde und geklappt hat einiges erst im Nachheinein. Aber es war unser Konzert! Unser Spiegel dessen, weswegen wir hier sind.
Es haben zwei Geigenduos von mir gespielt, eine Percussiongruppe, Saxophonkonstellationen von Jule, Klavierstückchen von Aylins Kindern, ein Ensemble aus Gitarre, Gesang, Blockflöte, Altflöte und Tenorflöte und unsere Band am Ende.
Und als die Scheinwerfer ausgeknipst waren, war da dieses Lächeln auf meinem Gesicht und das Gefühl von Erfüllung. Stolz. Erleichterung. Erschöpfung. Und Motivation für das nächste Konzert.

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21.12 Wir werden von den zwei Saxofonjungs oben zum Essen in Engabao eingeladen. Es begrüßte uns ein Sonnenuntergang, der einen kurzzeitig wieder vom Datum ablenkte. Der 21. Dezember. Mit diesen Worten kann man plötzlich gar nichts mehr anfangen.

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Nach Toastbrot mit Käse und gegrillten Würstchen am Strandlagerfeuer, schläft der eine Teil direkt unter dem Sternenhimmel meines Lebens im Sand. Zitat Maxi: „Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, ob ich die Augen zumachen oder auflassen soll.“

Der andere Teil schaffte es trotz Sternfaszination noch in das Baywatchhäuschen mit Decken und ganz vielen Sandkörnern. Der Sonnenaufgang verlockte mich gerade dazu, euch eine Nachricht zu hinterlassen.

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23.12 Presentation Navidad in der Grundschule, in die wir in Projektgruppen zweimal wöchentlich vormittags gehen. Die Flötengruppe spielt Stille Nacht, die Gesanggruppe performed Jingle Bells, die Trommeljungs verausgaben sich trotz 33 °C und die Trompeten mit Doris und Fritz machen den krönenden Abschluss mit Jingle Bells Rock. Danach mit viel zu viel heißer Schokolade und Sandwiches im Magen, die Klassenperformance bewerten. Wir haben Kärtchen von 1 – 3 und entscheiden uns für die motiviertesten und textsichersten Kinder. Ein bisschen wie bei DSDS oder so einer Show, die ich nie gucke, aber da gibt es doch so was auch oder?

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Trotz all dem „ein-Tag-vor-Weihnachten-Stress“ (ja es gibt ihn auch hier) treffen wir uns am Strand und machen Fotos für die allgemeine Deutschlandgesellschaft. Man ist schließlich nicht oft einen Tag vor Weihnachten am Strand und trinkt aus einer Kokosnuss. Man muss wissen, was man schätzen kann und soll. Und plötzlich hatte ich ein klitzekleines Weihnachtsgefühl. Vielleicht ist es doch egal wo man den Tag verbringt, im Herzen feiert man Weihnachten ja doch zusammen.
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Und zur Feier des Datums bringt jeder seine Schätze von zuhause mit und wir feiern Weihnachten mit geschlossenen Augen. Lebkuchen, Spekulatius, Butterplätzchen, Vanillekipferl und Dominosteine. Ach so schlecht geht es uns gar nicht, stellen wir immer wieder fest.

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24.12. Heiligabend nennt man ihn. Zu deutscher Bescherungszeit öffne ich meine Geschenke von Zuhause mit Weihnachtsoratorium und Kerzchen in meinem Zimmer. Da ich mir nicht sicher war, ob man sich überhaupt was schenkt, wollte ich meiner Gastfamilie nicht meine Päckchen vorführen. Ich habe mich unglaublich gefreut, allein über das Zimmerische Geschenkpapier! Der Abend allerdings fing dann mit krankwerden an. Mir war plötzlich total übel und ich habe mich übergeben. Mit Bauchschmerzen und Schwindel lege ich mich ins Bett. Und da blieb ich bis zum Morgen auch. Ich weiß nicht was los war und bin unendlich traurig nicht zu wissen, wie Weihnachten hier abläuft. Was ich weiß ist, dass es Truthahn gab, laute Musik und alle lang wach waren. Ich weiß nicht, ob sie sich was geschenkt haben, aber ich habe meine Kleinigkeiten für die Familie heute morgen einfach unter den Baum gelegt.
Da muss ich wohl nochmal zurückkehren, um den 24.12 im Original zu erleben. Aber bis es soweit ist, genieße ich einfach Silvester hier doppelt.

Weihnachtlich geschwächte Grüße und Küsse, Paula

 

 

Fünf Gestalten schlagen sich durch den Dschungel

Yorck und ich wollten in seinem zweiten Monat auf Reisen natürlich auch noch Ecuador erkunden. Und weil die anderen Voluntarios bisher noch genauso wenig wie ich vom Land gesehen hatten, haben wir beschlossen uns zu fünft durch den Dschungel zu schlagen.

Unser erster Halt war Baños, eine Stadt (na gut ein Dorf) in der Sierra, im mittleren Streifen Ecuadors. Sie grenzt teilweise schon an den Oriente, den „Dschungel“ Ecuadors und liegt im Tal von hohen Bergen und Vulkanen. Der erste Eindruck war wiedermal sehr dunkel. Bisher haben wir es noch nie geschafft, wie vorher geplant, im Hellen anzukommen. Also tasten wir uns im Laternenlicht durch die Straßen auf der Suche nach einem Hostel. Und dabei gibt es, seit unserer ersten Reise, nur einen Satz loszuwerden: „Es que, somos voluntarios en ecuador no tenemos mucho dinero“ (wir haben kein Geld.)
Als Yorck langsam ungeduldig wurde, hielt er uns in einem Hostel fest mit dem Versprechen, am Abend die Shisha des arabischen Hostels zu zahlen, wenn wir uns jetzt endlich entscheiden. Die Masche hat gezogen und so verbrachten wir eine sehr gemütliche Nacht im Verkehrsknotenpunkt der Sierra. Zum Frühstück gab es den unfassbaren Blick aus dem Fenster (direkt neben einem riesigen Wasserfall war das Hostel gelegen) und wahlweise Pancake oder Müsli mit frischen Früchten.
Am nächsten Tag stand eine Wanderung auf dem Programm. Ziel war das Casa del arbol. Ein kleines Baumhaus mit Schaukel, auf der man zwischen dem Vulkantal hin- und herschwingen kann. Die Wanderung mit unerwarteten Steigungen, Matschquellen und einer Kuh mitten auf dem Pfad zog sich doch länger als geplant und so kamen wir nach 4 Stunden an dem Baumhaus an. (1$ ärmer für die einzige Touristenattraktion Baños‘)
Das Setting war viel unspektakulärer als erwartet. Aber tatsächlich auch wir schafften es die Fotos dementsprechend aufzunehmen, sodass die typisch romantischen Bildchen auf der Kamera gespeichert wurden.
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Nach einem Teller Spaghetti mit Gemüse in Frischkäsesoße ging es in die dortgelegenen Thermalquellen. Die Harten unter uns haben das kochendheiß-eiskalt-lauwarm-heiß-kalt-Programm durchgezogen, ich für meinen Teil düdelte gemütlich im Badewannentemperaturbecken unter dem Sternenhimmel vor mich hin.

Doch am nächsten Tag sollte die Action rufen. Wasserfälle herabseilen – Canoying heißt der Spaß. Jule mussten wir leider mit Kopfschmerzen im Hostel zurücklassen, aber der Rest wurde vom Weihwasser des Berges gesegnet, ist Wasserfälle herabgesprungen und wurde in Naturquellen getunkt. Jule haben wir später mit Bildern versorgt, genauso wie ich das jetzt bei euch machen werde.

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Nachdem wir glücklich aus dem nassen Neopren schlüpften und uns um die heiße Dusche gestritten haben wurden die Rucksackinhalte wieder auf ein Minimum gefaltet und verstaut, um mal wieder im Dunkeln Tena zu erreichen. Tena ein Dorf weiter nördlich und östlich im Dschungel gelegen. Das und die Information Malariagebiet Stufe „rot“. Mehr Hausaufgaben wurden mal wieder nicht gemacht, abgelenkt durch die qualtitativ hochwertigen Filmkunstwerke, die auf den Fahrten ausgestrahlt werden und denen man sich durch die Lautstärke und die aufdringlich hell eingestellten Bildschirme unterwerfen muss. (selbstverständlich zu jeder Tageszeit alle Faktoren gleichzeitig. Denn wer zieht schlafen der „300“ vor?)

Schlaftrunken in Tena ausgespuckt fühle ich mich wie in Hellabrunn im Tropenzelt. Jacke ausziehen, Mückenspray raus und durch die warme, feuchte Luft waten. Gleich am Terminal wurden wir von einem ca. 50 jährigen Mann empfangen, der uns versprach uns zu einem tollen Hostel zu bringen für 5$ die Nacht. Er sei außerdem Touristenführer für Dschungeltouren. Wir folgten dem Herrn in die wohl spährlichste Unterkunft, der ich je begegnet bin. Zimmer mit Bett, kalte Gemeinschaftsdusche über der Kloschüssel fertig. Dank der Luftfeuchtigkeit durfte uns der Besitzer als seine Kunden aufnehmen und knüpfte uns freudig das (zu viele) Geld ab. Unter einer wackligen Moskitonetzkonstruktion widmeten wir uns dem Schlaf. Das Gefühl schon vor dem schlafen zu kleben wie eine Moskitofalle war nicht das angenehmste. Das am nächsten Morgen aber schlimmer. Die kalte Dusche war absolut notwendig, denn schon ab halb acht knallte sie Sonne auf Tena hinunter.

Der nächste Teil unseres Tena Abenteuers begann mit der Aussage Yorcks, er fühle sich durch die Hitze nicht so wohl und würde gern (im bereits neuarrangierten 5$ Hostel) etwas schlafen, während wir uns um die Organisation der Dschungeltour kümmern. Als wir jedoch zurückkehrten mit der freudigen Information, dass der Mann von gestern, Gabriel, uns eine ideale Tour zusammengebastelt hat, zu einem Freundschaftspreis, weil er schon andere Musiker ohne Grenzen zu Besuch hatte, war Yorck bereits ein Häufchen Elend. Das Fieberthermometer untermalte diese Beschreibung recht eindrücklich mit geschmeidigen 39° C. Das fand ich für meinen Teil in einer roten Malariazone gar nicht unbedingt harmlos und so packte ich den dahinvegetierenden Sonnenverfechter im Taxi zum Dorfkrankenhaus. (Dass es auch eine Privatklinik gegeben hätte erfuhr ich leider erst zu spät)

Nach unfassbar langem Befragen der Person und des genauen Aufenthaltsziel des Patienten haben sie es tatsächlich geschafft ein Bettchen im Gang aufzubauen, auf das der im Delirium schwebende Yorck verfrachtet wurde. Als er an der Infusion hing und schon wieder angefangen hat Klassiker wie „es gibt keinen Schmerz“ „die Sekunden ticken gnadenlos weiter“ und „äh – was??“ preiszugeben war ich schon wieder fast beruhigt. Und als das Fieber bei ihm schon bei 36.6° C war, begann ich langsam mich meinen Kopfschmerzen zu widmen. Ich hab mich schon die ganze Zeit etwas neben der Spur gefühlt, dachte aber an einen Sonnenstich, den ich so bald Yorck gehen kann, mit Schlaf und Wasser heilen werde. Das Ganze wurde zu einer größeren Aktion als ein vorbeirauschender Arzt 40.2° C gemessen hat. Diese Temperatur zu behandeln hielt er allerdings nicht für weiter notwenig und ließ mich mit der Information stehen, um sich der anhumpelnden Fleischwunde neben mir zu widmen.
Eine andere Krankenschwester schlug mir vor einfach mal zu duschen. Und zwar 20 Minuten. Kalt. Nachdem ich die Schocktherapie über mich ergehen gelassen hatte, fragte ich wieder den nächstbesten Arzt, was ich denn jetzt tun könnte. „Ach 40° C Fieber hm. ja du kannst dich da hinten hinlegen wenn du willst.“ Und so versuchte ich auf einem anderen Klappbettchen im Gang, neben dem schlafenden Yorck, auf die anderen Voluntarios zu warten. Aufgewacht bin ich von den Worten: „ach du scheiße wie sieht die denn aus?“ „Paula sag mal hast du schon was bekommen gegen dein Fieber?“ „Alter du zitterst während den Kopf einfach nur glüht, so fertig hab ich dich noch nie gesehen“
Ich konnte nicht mal antworten. Sophia hat einem Mensch im Kittel mal ein Ibuprofen abzwacken können. Dann habe ich wieder geschlafen. Viel weiß ich auch gar nicht mehr. Nur dass ich nochmal geweckt wurde um zwei weitere Ibuprofen zu schlucken. Dass zwischen den Tabletten nur eine halbe Stunde lag hab ich deswegen auch nicht mitbekommen.
Kurzum ich lag auf dem Bett etwas länger als der Rest der Krankenhausbevölkerung und immer wieder kam ein anderer Arzt oder wahlweise auch nur Mensch mit grünem Kittel ohne Plan an, um mir Befehle zu erteilen. „Setz dich aufrecht, ich klopfe dir jetzt auf den Rücken. – tut das weh?“ „Nein mein Kopf tut weh!“ „Achso. Dann nimm mal eine Ibuprofen“ „hab ich doch schon.“ „Nein hier liegt gar keine Packung rum, ich hol mal eine Tablette für dich.“ „Nein ich hab schon 3 genommen heute.“ „hm. ja dann nicht.“
Eine Stunde später standen 10 grüne Kittel um mein Bett und jeder durfte beliebig lange und fest in meinen Bauch drücken. „tut das weh?“ Dass ich vor Schmerzen gewimmert habe, schien sie gar nicht so zu beeindrucken. Die Diagnose gab es übrigens erst einen Tag später weil Jule die Blutbilder abfotografiert hatte und meiner Tante nach Deutschland geschickt hatte. Harnwegsinfektion nie gehört. Eine Nacht später (damals waren Ärzte und Patient noch unwissend) wurde ich entlassen mit einer Packung Anitbiothikum gegen „alle Schmerzen, die du jetzt noch hast“. Bewacht wurde ich in dieser fiebrigen Infusionsnacht, die von 4 Blutproben und zwei Urinproben, 3 Fragebögen zu meiner Beschäftigung in Ecuador, vielen Klogängen und mehreren Drucktesten an meinem Bauch unterbrochen wurde von den 3 besten Familienmitgliedern überhaupt, die sich mit 2 Stundenschichten die Nacht gemütlich machten. Das andere Versuchskaninchen Yorck wurde übrigens grundlos mitten in der Nacht aus dem Krankenhaus geworfen. „El tiene que irse.“
Ich weiß immer noch nicht genau, wo die Privatklinik ist, aber es sei jeden Reisenden wärmstens an Herz zu legen.
Nach einem weiteren Tag nur im Bett mit langsam, aber sicher sinkendem Fieber wurde ich abends von dem Rest der gesunden Mannschaft mit einem selbstgebrauten Antibiothikum aufgeweckt. Sie waren tagsüber mit Gabriel, der schnell ein Freund von uns geworden ist, das Herz am richtigen Fleck hat und auch noch mehrere Schlangen in Marmeladengläsern zuhause aufbewahrt, Guaven pflücken. Daraus haben sie eine Tradtionsmedizin gebrauht, mit der seit Jahrhunderten alle QuichuaIndianern in Atuny gesund werden. Ich musste mich davon hauptsächlich übergeben, aber das soll ja bekanntlich reinigen. Nächstes Bild. Damit ich für die Selvatour schnell fit werde, gibt es ein Rauchritual im Hostelzimmer. Ich sitze völlig schlapp auf einem Stühlchen neben meinem Bett, während vor mir ein kleines Feuer auf Steinen entflammt wird und Gabriel mich mit dem Rauch einreibt. Auch die Anderen müssen mir mit ihren T-Shirts den Rauch auf den Körper wedeln und so ergibt sich ein Bild von 4 halbnackten Gestalten, die mit ihren Oberteilen wedelnd beten, dass der verdächtige Rauchmelder im Zimmer nicht funktioniert. Als alle bösen Geister in meinem Körper geräuchert waren und damit wohl auch vertrieben, war ich zu müde um zuversichtlich meiner Besserung entgegen zu schauen.

Etwas angeschwächt, aber doch guten Mutes ging es dann in die Cabañas am nächsten Tag. Dort wohnt ein Teil Gabriels Familie, umgeben von Kakaobohnen, Bananenstauden, Mangobäumen und anderem Dschungelgemüse.
Während wir noch ausruhten, stapfte der Rest schon fröhlich in Gummistiefeln durch den Regenwald, durch natur-Capes und Hüten aus Blättern geschützt von den Schauern, die das Blätterdeck angriffen. Es wurde im Wasserfall geplatscht, an Lilianen geschwungen und Gabriel entdeckte die Funktion „Selfie“.
Und am Abend kam echtes Campingfeeling auf. In Schlafanzug, Gummistiefeln und Stirnlampe zum Zähneputzen watscheln, wer will da nicht „zurück ins Zeltlager!!“, Lulu?
Aber am nächsten Tag, pünktlich zur „selber-schokolade-zubereiten-Zeremonie“ begnügten Yorck und ich uns nicht mehr mit Fotos, sondern waren live dabei.
Kakaobohnen rösten, pellen, durch die Mühle drehen und mit Zimt in Milch aufkochen. Das beste Schokomousse wurde anschließend frisch auf die Bananen des Gartens gegossen. Und ich hab Schokofondue in Deutschland gefeiert. pff.
Danach ging es nach Misuhualli, einem Nachbarort. Bestehend aus 500 Einwohnern, darunter 387 Affen. Affe im Arm, auf dem Kopf, Affenkuss, Affentanz. Ich habe mich wieder gefühlt wie in Hellabrunn. Nachdem wir schnell zur allgemeinen Touristenattraktion geworden sind mit unserer Nummer, stiegen wir schnell in ein Bananenboot und fuhren ans andere Ufer. Das Indianerdorf, was uns dort angepriesen wurde hat leider eher abgeschreckt. Nach der Tanzvorführung, kam der unauffällig auffällige Satz „und hier verkaufen wir den Schmuck, den wir selbst herstellen, wenn ihr mal sehen wollt.“ Nachdem wir noch den heiligen, beeindruckenden Fels bestiegen haben, ergriffen wir mit hungrigem Magen die Flucht aus dem Dorf, des Stirnrunzelns.
Am Nachmittag ging es wieder in ein Boot. Wir glitten lautlos durch eine Lagune, an seltenen Vögeln, Affen und Schlangen vorbei und wurden beschmückt durch wandernde Schmetterlinge, die sich auf uns in der Sonne ausruhten und den Fahrtwind genossen.
Am Abend in den Cabañas wurde Fußball Deutschland-Ecuador revue passiert bis das Licht des Dschungels auch durch Handydisplays nicht mehr ersetzt werden konnte. Wir halfen beim Kochen und genossen mal wieder auf echten Bananensets zu essen. Kurz vor dem Einschlafen lief im Fernsehen (ja der Fernseher fehlt in keinem ecuadorianischen Haushalt, auch mitten in der Selva nicht!) ein Survivalfilm im Dschungel und die Hintergrundgeräusche waren quasi doppeltgemoppelt. Unglaubliche Stimmung bis wir gebührend im Bett den 1. Advent begrüßten und uns eine Packung Nürnberger Lebkuchen auf der Zunge zergehen ließen. Ja so feiert man den ersten Sonntag der Adventszeit auch nur einmal.
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Pünktlich zum ersten Sonnenstrahl standen wir auch schon wieder auf der Matte, Rucksäcke packen und ab in den nächsten Pick-up Richtung Fluss. Der letzte Tag der Tour versprach Tubing. In riesigen, schwarzen Ganzkörperreifen, die man aus der Wellenrutsche im Galaxy kennt ging es einige Stündchen flussabwärts in einem Amazonaskanal. Mein persönlicher Höhepunkt der Reise muss ich zugeben. Sich in einem Reifen umgeben von meterhohen Bäumen, Palmen und Lilianen treiben zu lassen und in der Mittagspause mit Würmern Fischlis zu angeln hat einfach was von ganzwoanderssein. Und als Sophia tatsächlich einen Handgroßen Fisch aus dem Wasser zog, war Jubeln angesagt. Und für Gabriel begann das echte Angeln. Mit diesem Fisch als Köder hieß es wolle er einen 1,5m langen Verwandten fangen. Wir ließen ihn träumen und basteln und verschlangen genüsslich von Mückenschwaden umgeben unseren Fisch-Take-away in Palmenblatt mit Salat und Eistee.
Einen Glücksschrei später hielt Gabriel tatsächlich etwas in den Armen, was entweder nach Vorschulkind oder nach Riesenfisch aussah. Ich hab es leider nicht über das Herz gebracht das noch atmende Tier hochzuheben, ich hätte euch gern von Gewichtschätzungen berichtet. Das Monster im Schlepptau traten wir im Nieselregen den letzten Part der Reifenfahrt an, an deren Ende wir im strömenden Regen, pitschnass vom Tagesausflug beladen mit 6 Reifen und einem Halbwal an der schlammigen Straße auf ein Taxi hofften, das Gnade mit den matschigen Gestalten walten lässt und uns zu einer warmen Dusche kutschiert. Ein krönender Abschluss, bevor es am nächsten Morgen nach Quito ging, dem letzten Halt unserer Reise und gleichzeitig der höchsten Hauptstadt der Welt.
Dank Yorcks alten Kumpel aus einer Sprachreise nach Amerika hatten wir den komfortabelsten Schlafplatz der Reise. Der Medizinstudent wohnt alleine in einem 3-Schlafzimmer Apartment und so hatten fünf erschöpfte Reisende ein Luxusbett, warme Dusche, gefließte Küche und Zugang zu einer Dachterasse mit Blick über das gesamte Bergdorf mit seinen 1,6 Mio Einwohnern.
Uns blieb aus Unterrichtstechnischen Gründen (daran zu denken allein war schon schwierig) nur ein Tag in Quito und so widmeten wir uns Vormittags gleich der historischen Altstadt. Durch Kirchen, Plätze, enge Gassen und einen Park kam beinahe europäischer Flair auf. Wenn da nicht die Hitze gewesen wäre, die natürlich auf 2.850 m leicht unerträglich werden kann. Trotzdem feierte Quito in dieser Woche wie verrückt, einen runden Geburtstag, seit der Gründung 1534 und so spielte auf dem mit Fahnen umrandeten Hauptplatz eine Blaskapelle, die bei Jule echte Heimatsgefühle wecken konnte.
Weiter gefeiert wurde in der Nacht, als wir uns (nach der köstlichen Nudelgemüseshrimpspfanne) auf das alte Flughafengelände bringen ließen, um am kostenlosen QUITONIA Festival teilzunehmen. Gerüchten zu Folge sollte dort ein berühmter Mann auftreten, dessen Namen ich, der Spannung wegen, noch nicht verraten möchte an dieser Stelle. Wir verloren jedoch Einlassmäßig relativ aprupt die Hoffnung als die Menge in „con“ und „sin“ Ticket eingeteilt wurde. So durften alle, die sich ein gratis Ticket geholt hatten eintreten und der Rest stand in einem undefinierbaren Haufen vor der Absperrung. Bis – Dank ecuadorianischer Struktur und Durchsetzungsvermögen, vor allem aber wahrscheinlich der Korruption wegen – auch der Haufen in einer Reihe durch die Polizeialle marschieren durfte. Und so kam es, dass 5 wahllos zusammengewürfelte Deutsche in Quito zusammen, vor dem ersten Wellenbrecher, unter Orion und großem Wagen, live und in Farbe STING hörten, der eine volle 90 Minuten Show abzog. Die Party war groß unter der Deutschen, den ecuadorianischen Musikgeschmack aber trifft er eben doch nur grob. Salsa wird einfach schwierig auf „Englishman in New Yorck“.
Dem Konzert folgte ein Feuerwerk aus einem Silvesterfilm, ja das mögen sie die Südländer. Wow war das gigantisch, der ganze Himmel leuchtete in Farben und sprühte Funken die langsam in das Andenbecken rieselten.

Mit zum letzten Mal zusammengeschnürtem Gepäck ging es nach Otavalo, 3 Stunden nördlich von Quito. Berühmt ist das Dorf durch seine Handwerks-, Tier- und Lebensmittelmärkte, die uns quasi magnetisch anzogen, Andenkensmäßig. Und so handelten, feilschten und bestritten wir uns durch den Markt, bis jeder seine Schätze kaum mehr tragen konnte. Es gab dort Decken, Pullis, Schals und Taschen aus der Wolle des Lamas, Alpacha heißt das Material. Außerdem Hängematten, Rucksäcke, Schmuck und andere „hey das könnte ich einer Freundin mitbringen“ Sachen.
Der letzte Stop war ein vegetarisches Restaurant und so teilten sich unsere Wege in Quito am Terminal auch schon wieder. Yorck blieb noch einige Tage bei seinem Freund um danach die restlichen Tage alleine weiterzureisen und das Land in mehr Facetten kennenzulernen, während die müden Intrumentallehrer sich in Playas wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen sollten.
Und als wir dann früh morgens in dem Strandort ankamen, dachte man schon gar nicht mehr an die Arbeit, sondern nur, dass man endlich wieder zuhause ist.

Bis bald, ich melde mich aus der Weihnachtszeit bei 29° C! Gute Nacht, und eine schöne Adventzeit, eure Paula

P.S. vielleicht vermisst ihr die Fotos, von deren Aufnahmen ich ständig erzähle. Leider sind in Ecuador eben nicht nur unausgebildete Ärzte am Gange, sondern auch jede Menge sehr professionelle Taschendiebe. Ich baue einfach auf eure Fantasie, lasst euch inspirieren von den Worten, das ist sowieso viel authentischer!

Chile Auszeit

Bevor ich versuche mich zurück an Ende Oktober zu erinnern, mach ich es uns allen einfach und erstelle ein Bildertagebuch. (Damit auch der Jonas mal bis zum Ende ließt!)

Die Ankunft in Santiago verlief ohne Probleme. Fast. Mit Ausnahme dessen, dass ich ausversehen einen Apfel importiert habe, aber auf dem Zollformular angekreuzt habe keine tierischen Produkte einzuführen. Ich wurde in ein Nebenzimmer gebracht und mit Seriösität befragt. „Warum haben Sie das Formular gefälscht, Frau Zimmer?“. Als mein kleiner Apfel luftdicht verpackt mit meiner Reisepasskopie in einem Regal verstaut wurde, zwei Formulare abgestempelt und mit meiner Unterschrift versiegelt wurden, durfte ich das Büro verlassen. Mein Name ruht jetzt im Vorstrafenregister Chiles – ich habe eine kleine Abneigung zu Äpfeln entwickelt muss ich gestehen!

Mit dem Nachtbus ging es nach Porto Montt, mittig in Chile Patagonien gelegen. Die Tochter der Patentante von Yorcks Mama, lud uns ein bei ihr in Frutillar zu hausen, eine Stunde von Porto Montt nördlich.
Unser Aufenthalt dort bewegte sich hauptsächlich von Essen zu Essen, denn die Nannys haben sich geradezu verkünstelt, je mehr Yorck und ich unser Lob aussprachen. Ein Spaziergang war noch drin, außerdem die ein oder andere Cellostunde mit Valentin, ihrem 7 jährigen Sohn. Vierhändig Klavier wurde zur Vormittagsbeschäftigung, der neu erlernte Rückwärtssalto auf dem Trampolin zum Wochenhighlight! Ach und Halloween haben wir natürlich auch nach Chile gebracht. Kürbisse schnitzen und Bonbons verschenken – einmal künstlerisch betätigen! Was sagt ihr zu den Ergebnissen? Vielleicht sind wir etwas aus der Übung gewesen.

Als wir nach zwei Wochen die Familie verließen, dachten wir tatsächlich zu einem Teil unsere Familie zu verabschieden. So herzlich und unkompliziert wie wir dort aufgenommen wurden! Zum Abschied habe ich von Valentin seine Bommelmütze bekommen. Die war in Frutillar absolut notwendig, jetzt ziert sie mein Zimmer in Playas und wartet auf nächstes Weihnachten!

In Santiago haben wir eine weitere Woche Halt gemacht und wurden auf ein Neues verwöhnt. Die Rushhour hat zwar vielleicht ein bisschen zu sehr an zuhause erinnert, aber die ausflüge von dort aus waren klasse. Wir waren einen Tag im Küstendorf Valparaiso und haben die Sonne, das Nationalgericht und die Meerbrise genossen, was Santiagos Zentrum ganz und gar nicht zu bieten hatte. Dort wurden wir von der Metro und der Buslinie verschluckt und schließlich ermüdet von einem Taxi ausgespuckt.

Dieser Urlaub war tatsächlich eine komplette Auszeit aus Ecuador. Aber vermisst habe ich mein Zuhause schon ein bisschen. Fast hatte ich wieder Lust auf Reis zum Frühstück. Ich meine ehrlich. Wer braucht schon Honigbrot und Obstsalat morgens?